Von Stefan Volberg, 01.02.10, 22:17h
Die Karnevalsband “Querbeat” aus Bonn hat mittlerweile auch im Kölner Karneval Fuß gefasst. Mit schrägen Kostümen und guter Musik geben die 19 Stammmusiker auf der Bühne ordentlich Gas und beziehen das Publikum in ihre Shows ein.
Warum, wollen wir von Bandchef Kurt Berger wissen, sind bei „Querbeat“ sehr viel mehr Männer als Frauen mit von der Partie? „Es hat damit zu tun, dass es unterschiedliche Vorlieben in der Instrumentenwahl gibt: Frauen bevorzugen wohl eher Holzblasinstrumente und weniger das Blech oder Schlagzeug, Gitarre und Bass. Die wenigen Frauen in der Band werden allerdings von den vielen Männern auf Händen getragen.“
Wer vermutet, dass in der großen Truppe (Stammbesetzung 19 Musiker, zehn Kollegen als „Ersatz“) große Fluktuation herrscht, liegt ganz falsch. „Meine beiden Söhne sind dabei und deren Freunde und deren Geschwister“, erklärt Berger; da gibt es viele persönliche Verbindungen. Ein Großteil kommt vom Kardinal-Frings-Gymnasium in Bonn-Beuel, und das zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass dort sieben Orchester existieren. „Von den knapp 1000 Schülern machen bestimmt 350 Musik.“
Referate auf der Fahrt zum Auftritt
„Bei uns gibt es viele sehr tragfähige Freundschaften, manche sind richtige Blutsbrüder“, lacht der 55-jährige Bandorganisator, der auch Musikwissenschaft und Philosophie studiert hat. Für Außenstehende ulkig: Für die Fahrten im Bus zu den Auftritten werden regelrecht Referate (zehn Minuten) vergeben über Karneval, die kölsche Sprache oder auch skurrile Forschungsergebnisse. Es wurde sogar ein Buslied komponiert, das immer auf der Rückfahrt gesungen wird.
2001 gründete sich Querbeat und war zuerst auf Straßenfesten und Betriebsfeiern unterwegs, seit 2007 auch im Karneval: „Nach einem Auftritt hat jemand begeistert gesagt: Na, den Saal habt ihr ja richtig auf links gedreht!“
Querbeat macht eine Show, aber keine Choreografie. „Das wäre was Abgesprochenes, bei uns ist es chaotisch.“ Nur wenige Elemente sind einstudiert, das meiste bleibt spontan. „Unsere Stücke sehen am Ende der Session immer anders aus als am Anfang. Kein Auftritt gleicht dem anderen. Auch für mich“, gesteht Kurt Berger, „ist das überraschend.“
Das Repertoire geht über Samba hinaus: Da stoßen die „Blues Brothers“ auf Heidewitzka oder „Die Kaffeebud“, es taucht der Hirtenknabe von St. Kathrein auf genauso wie der Second Waltz von Schostakowitsch. „Unsere wahre Liebe, verkünden wir auf der Bühne, gehöre dem Walzer. Der endet aber dann in ,Wer soll das bezahlen?, und das wieder in einer Samba.“ Für den Part der Musik ist vornehmlich übrigens Erhard Rau verantwortlich, der Lead-Trompeter von Köbes Underground – „aber es gibt bei uns viele kreative Köpfe“.
Hohes musikalisches Niveau angestrebt
Wie kommt es, wenn Beuel die Keimzelle ist, dass Köln Hauptauftrittsort ist? „Der Kölner war vielleicht eher bereit, sich auf unsere Art einzulassen; der Bonner hört sich das erst mal eine Weile an“, urteilt Berger und schiebt gleich hinterher: „Ich weiß aber nicht, ob dat stimmt!“ Einen tollen Freund der Band muss er noch nennen: „Das ist Werner Barth, ein Bonner Busunternehmer, der seit drei Jahren den Bus für uns fährt. Der ist inzwischen ein Querbeat-Verrückter.“ Wichtig ist dem Mitgründer der Band: „Wir haben den Anspruch, ein hohes musikalisches Niveau zu bieten. Wenn sich einer verspielt: nicht schlimm, aber es wird nachher darüber gesprochen.“ Bei all dem geht eines nicht verloren: Die Musiker gehen ins Publikum, sie spielen mit ihm und treten nicht frontal auf: „Wir haben unglaubliche Freude an der Musik.“
Quelle: Kölnische Rundschau vom 1.2.2010